Prompting als Effizienzhebel für Unternehmen
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“Der Einstieg ins Prompting ist technisch. Der eigentliche Effekt ist jedoch eine neue Denkweise.”
Viele nutzen KI, aber nur wenige machen mehr daraus als ein nettes Experiment. Senior AI Marketer und AI-Trainer Niklas Nosber erklärt im Interview, warum Prompting heute Basis-Skill und echter Hebel zugleich ist und weshalb ohne klares Ziel selbst die beste KI zum Spielzeug wird.
Niklas, ist Prompting heute eher Basis-Skill wie der Umgang mit Excel oder schon Wettbewerbsvorteil?
Prompting ist gerade beides. Du solltest es beherrschen wie Excel oder das tägliche Googeln. Der Wettbewerbsvorteil entsteht dort, wo Menschen verstehen, wie sie Kontext, Ziel und Qualität steuern. Dann wird aus einem Prompt kein Befehl mehr, sondern ein Arbeitsprozess.
Viele sagen, sie „nutzen KI“. Woran merkst du in der Praxis, dass ein Unternehmen wirklich gut mit KI arbeitet?
Sehr einfach: an der Konsistenz. Wenn fünf Mitarbeiter die gleiche Aufgabe mit KI bearbeiten und alle liefern ähnliche, brauchbare Ergebnisse, dann funktioniert KI bereits als Werkzeug. Wenn jeder etwas komplett anderes macht, hängt es noch an Einzelpersonen, nicht am System.
Wo stehen die meisten Unternehmen heute beim KI-Einsatz? Und was ist der häufigste Grund, warum sie nicht weiterkommen?
Die meisten Unternehmen sind im Experimentiermodus. Es wird viel ausprobiert, aber wenig standardisiert. Der häufigste Grund fürs Stocken: Es fehlt ein klares Zielbild, wofür KI konkret eingesetzt werden soll. Ohne Ziel wird KI zum Spielzeug.
“Ohne Ziel wird KI zum Spielzeug.”
Was macht den Unterschied zwischen „KI mal ausprobieren“ und einer wirklich nachhaltigen Nutzung im Unternehmen?
Der Unterschied ist simpel: Wiederholbarkeit. Ausprobieren ist zufällig. Nachhaltige Nutzung bedeutet, dass eine Aufgabe einmal gut gelöst wird und dann als Vorlage, Workflow oder Standard gespeichert.
Was ist das größte Missverständnis beim Prompting, das du in Trainings immer wieder siehst?
Dass es um „die perfekte Formulierung“ geht. In Wirklichkeit geht es um Klarheit im Kopf: Was ist das Ziel? Was ist ein gutes Ergebnis? Welche Informationen fehlen noch? Schlechte Prompts sind selten ein Sprachproblem, sondern ein Denkproblem.
Was verändert sich im Denken und Arbeiten von Teams, wenn sie anfangen, richtig gut zu prompten?
Teams werden präziser. Sie denken mehr in Ergebnissen als in Aufgaben. Und sie lernen, Unklarheit schneller zu erkennen, weil KI sie sofort sichtbar macht. Das wirkt oft unscheinbar, ist aber ein massiver Produktivitätshebel.
Welche Fähigkeiten entwickeln Mitarbeiter automatisch, wenn sie regelmäßig mit KI arbeiten, auch außerhalb von Prompting?
Die Streuung nimmt ab. Schwächere Ergebnisse werden deutlich besser, weil KI unterstützt.
Starke Mitarbeiter werden schneller, weil sie weniger Zeit mit Routine verlieren. Unterm Strich steigt die durchschnittliche Qualität und die Geschwindigkeit.
Welche Rolle spielt Führung, wenn es darum geht, KI und gutes Prompting im Unternehmen wirklich zu verankern?
Führung entscheidet, ob KI Alltag wird oder ein Strohfeuer bleibt. Wenn Führung klar vorgibt, wo KI eingesetzt werden soll, und selbst damit arbeitet, entsteht Orientierung. Ohne diese Richtung bleibt KI optional und wird entsprechend selten für mehr als einen bloßen E-Mail-Schreibassistenten genutzt.
“Führung entscheidet, ob KI Alltag wird oder ein Strohfeuer bleibt.“
Ist Prompting für dich eher eine technische Fähigkeit oder schon eine Art neue Denkweise?
Der Einstieg ins Prompting ist technisch. Der eigentliche Effekt ist jedoch eine neue Denkweise. Menschen lernen, Herausforderungen und Probleme deutlich klarer zu formulieren und strukturieren, bevor sie sie lösen. Und das macht einen immensen Unterschied.
Was wird in 2–3 Jahren selbstverständlich sein im Umgang mit KI, das heute noch kaum jemand auf dem Schirm hat?
Es wird normal sein, nicht mehr Tools zu bedienen, sondern mit KI zu arbeiten wie mit einem Kollegen. Das heißt: Aufgaben werden delegiert, überprüft und iteriert, nicht mehr selbst komplett erstellt. Wer das heute schon kann, hat einen klaren Vorsprung.
Wenn du KI auf einen Satz reduzieren müsstest: Was ist sie für dich im Arbeitsalltag?
KI ist für mich ein Kollege, kein Tool, der schnell denkt, klare Führung braucht und mir Raum zum Denken gibt.
Danke, Niklas!







